Autor Thema: Bessere Bremsen für die "B"  (Gelesen 2456 mal)

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Erfinder1970

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Re: Bessere Bremsen für die "B"
« Antwort #30 am: 12. August 2018, 20:09:27 »
Hallo,
Die originalen Bremsen sind eigendlich für einen Kleinwagen wie den FIAT Punto gedacht.
Mit dem "rast" man nun mal nicht rum, und da reicht das Material.
Aber die Barchetta erreicht durch den tiefen Schwerpunkt erheblich höhere Kurvengeschwindigkeiten.
Jeder Rennfahrer weis dass er sein Rennen mit den Reifen, auf der Bremse erst dann mit dem Motor gewinnt.
Die billigen Scheiben die man so für die B bekommt decken also nur den Spazierfahrer ab.
Sobald man dem Pferdchen die Sporen gibt, kommt das billige Material schnell an seine Grenzen.
Das beste Beispiel auf sehr hohem Niveau ist Porsche, man kann auch Keramikscheibenbremsen für seinen Sportwagen haben!
Mit den Standartbremsen mit Stahlscheiben steht ein 911er von 100 auf 0 in 32 m mit Keramik in 28 m / heißgefahren in 25 m!
Also mit der gleichen Dimensionierung und z.B besseren Scheiben (gelocht / geschlitzt) und Belägen die für Tourenwagen ausgelegt sind, werden dann erst richtig "Warm" und greifen dann wie Sau! Auch die verstärkten Bremsschläuche machen einen erheblichen Unterschied beim Ansprechen und dem Bremsdruck- man kann sehr genau auf den Punkt bremsen- nach einer Eingewöhnung.
Ich habe mich für meine B für Sandler Scheiben gelocht + geschlitzt rundum, mit Ferrodo Belägen für Tourenwagen mit Straßenzulassung entschieden. Nach etwa 500KM vorsichtigen "Einschleifen" wurden die Bremsen immer besser.
Dem Original erheblich überlegen, insbesondere bei Nässe.
Im Vergleich "ankert" die Barchetta regelrecht, und je wärmer sie werden desto besser.
Die Bremsbeläge fangen nicht an zu schmieren wie die Originalbeläge, auch auf einer stark abschüssigen Moselstraße die durchaus mit einem Alpenpass vergleichbar ist. Nachteil sind der erhöhte Bremsstaub aus den Vorderbremsen, und sie neigen, wenn zu kalt, zum Quietschen.
Alles in allem ein guter preiswerter Komprmiss zu einer kompletten getunten Bremsanlage von DSM die dann aber mit 16" Rädern gefahren werden muß.

Wenn es also nur eine überschaubare preiswerte Verbesserung sein soll, mit der man in den Alpen keine Angst mehr vor langen Abfahrten an Pässen in den Alpen haben braucht, dann ist die beschiebene Kombination ein guter Rat.

MFG Erfinder1970
Jörg Wiesen

fiat5cento

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Re: Bessere Bremsen für die "B"
« Antwort #31 am: 13. August 2018, 19:39:48 »
Ich glaube nicht, dass ein Porsche in 25m von 100 auf 0 bremst.


sualk

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Re: Bessere Bremsen für die "B"
« Antwort #32 am: 13. August 2018, 19:49:35 »

Alles in allem ein guter preiswerter Komprmiss zu einer kompletten getunten Bremsanlage von DSM die dann aber mit 16" Rädern gefahren werden muß.


MFG Erfinder1970

unsere bremsanlage muss nicht mit 16 zoll rädern gefahren werden.  die grosse tarox- bremse mit 310er scheiben und 32/6 zangen hingegen schon.  die beschriebene brems- lösung ist meines erachtens kein kompromiss zu unserer anlage.

_chris_

Re: Bessere Bremsen für die "B"
« Antwort #33 am: 14. August 2018, 20:46:57 »
Hallo Erfinder1970,

ganz so ist es auch nicht mit Deinem Porsche-Bsp.

Thema große Bremsscheiben:

Größere Bremsscheiben bedeutet auch dass der Bremssattel weiter vom Drehpunkt des Rades entfernt ist, ergo größeres Bremsmoment. Zudem haben größere Scheiben einfach mehr Maße um Wärme aufnehmen zu können. Wärme ist das Hauptthema warum eine Bremse den Geist aufgibt, sie überhitzt schlicht. Zum Thema thermische Stabilität von Bremsscheiben gibt es mechanische Punkte wie Innenbelüftung oder Löcher, aber auch spezielle Wärmebehandlungen (hochgekohlt), bzw. die Königsklasse: 2-teilige Bremsscheiben wo der Reibring aus Stahl/Carbon-Keramik mit dem Bremstopf aus Alu verschraubt ist. Das hat den Riesenvorteil, dass der Reibring seine Wärme nicht über die Nabe an das Rad weitergeben kann.

Bevor jedoch die Bremsscheibe den Hitzetod stirbt, überhitzen zumeist die Beläge.

Thema Mehrkolben Festsättel vs. Einkolben-Schwimmsättel:
Einkolben-Schwimmsättel beaufschlagen immer nur die Innenseite der Bremsscheibe mit Druck. Über die Sattelkonstruktion drückt sich die Innenseite des Sattels (der innenliegende Bremsbelag) quasi von der Scheibe weg, wodurch die Aussenseite des Sattels (äußerer Bremsbelag) auf die Scheibe "zuschwimmt". Das hat den Nachteil von ungleichmäßiger Druckverteilung der Beläge auf die Scheibe. Erkennbar in der Praxis daran, dass die Innenseite der Bremsscheibe mehr Verschleiß aufweist als die Außenseite.

Mehrkolben-Festsättel haben eigentlich immer viel größere Bremsbeläge als Einkolbenschwimmsättel, wodurch mehr Reibfläche auf die Scheibe einwirkt, ergo es schlicht besser bremst. Zudem bringen die vielen keinen Kolben den Bremsdruck absolut gleichmäßig auf die Scheibe auf. Weiters sind die Festsättel viel steifer wie die Schwimmsättel, wodurch der Belag besser genutzt werden kann, da er schön plan auf die Scheibe gedrückt wird.

Der absolut größte Vorteil von großen Bremsen ist jedoch gar nicht so zwingend der kürzere Nettobremsweg, sondern die viel bessere Dosierbarkeit, speziell wenn kein ABS vorhanden ist, bzw. die höhere Standfestigkeit. Dass eine großer Bremse zwingend deutlich kürzeren Bremsweg aufweist, kann nicht pauschaliert werden. Jedoch wenn die kleine Bremse nach z.B. 10 Vollbremsungen den Hitzetod stirbt, bremst die große Bremse meist munter weiter und geht nicht in die Knie. Wichtig in dem Zusammenhang ist auch noch die Luftzufuhr auf die Bremse.

Meine Praxiswerte stammen aus meinem Alfa Brera welchen ich rein auf der Rundstrecke nutze. Die OEM Bremse mit 305mm Scheiben und Einkolben-SChwimmsättel war nach einem halben Tag am z.B. Salzburgring völlig am Ende, trotz besseren Scheiben und Beläge. Jetzt mit Tarox 6-Kolben und 320mm 2-teiligen Scheiben bremst das den ganzen Tag vom feinsten. Die Bremse bekomme ich nie und nimmer klein, egal wie hart ich sie ran nehme.

Zu guter Letzt: richtig Bremsen will gelernt sein. Selbst die beste Bremse bring man um bei Fehlbedienung.
Richtig ist: wenig, kurz und heftig Bremsen. Das erzeugt nur Hitze an der Scheiben/Belag-Oberfläche, welche rasch abgebaut ist.
Falsch ist: viel, sanft und zaghaft Bremsen. Das wärmt jede Scheibe, jeden Belag irgendwann bis ins Innerste durch und kann im Fahrbetrieb kaum mehr wieder abgebaut werden.

LG Christian


luschipuschi

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Re: Bessere Bremsen für die "B"
« Antwort #34 am: 15. August 2018, 07:22:39 »
Christian, toll erklärt!!

Gruß Jockel
Jockel
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